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Fluchtkogel, 3500m, 02.07.2016

Neue Wege im Ötztal

Den Auftakt in die Hochtourensaison 2016 bildete unsere Besteigung des Fluchtkogels in den Ötztaler Alpen. Freitagsnachmittags direkt von der Arbeit aus angereist, stiegen wir zunächst von den Rofenhöfen aus auf die Vernagthütte auf. Die war ziemlich gut besucht, wie wir beim Eintreffen kurz vor dem Abendessen feststellen. Uns wird ein Lager im Winterraum zugewiesen. Dort ist es zwar eng, aber es trampelt einem niemand über mehrere Stockwerke auf den Nerven rum. Am nächsten Morgen machen wir uns noch im Dunkeln auf den Weg über die Moräne des Guslarferners bis wir diesen an geeigneter Stelle betraten. Den Gletscher querend hielten wir auf das Obere Guslarjoch zu, wo wir auf den Kesselwandferner wechselten. Um auf den Gipfel des Fluchtkogels unschwierig über Schnee zu gelangen, zweigt man an diesem Joch nach Norden ab. In kurzer Zeit geht es von dort zum Gipfelkreuz. Bis dahin sind wir über die Gletscher mit Steigeisen gelaufen. Auf Raten der damaligen Hüttenwirtin des Brandenburger Hauses hatten wir zusätzlich die Schneeschuhe im Gepäck. Es lag noch überraschend viel Schnee. Nachdem wir die etwas steilere Passage vom Fluchtkogel herunter auf den flacher werdenden Kesselwandferner hinter uns hatten, wechselten wir von den Steigeisen auf die Schneeschuhe. Damit ging es wirklich sehr viel besser. Das Seil blieb selbstredend dran. Man sieht zwar vom Fluchtkogelgipfel aus das Brandenburger Haus. Den Weg dahin sollte man ob seiner Länge jedoch nicht unterschätzen. Unterwegs wurden wir noch von ein paar späten Skitourengehern erschreckt. Die pfiffen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts auftauchend an uns vorbei.
Das Brandenburger Haus ist wirklich sehenswert. Steht es doch am Beginn eines Felsriegels, der auf die Dahmannspitze führt, umringt von Gletschern und ausschließlich über diese zu erreichen. Ein altes Steinhaus. Im ersten Weltkrieg als Stützpunkt missbraucht, um militärische Ausbildung für den Kampf in den Bergen zu machen.
Es übernachteten an diesem Tag nur wenige Menschen dort, was ganz angenehm war. Am nächsten Morgen stiegen wir von der Hütte ab auf den Gletscher, nachdem wir die grandiose Aussicht über den Gletscher auf die umliegenden Gipfel in der aufgehenden Sonne genossen hatten. Die Wahl fiel erneut auf die Schneeschuhe, um den Kesselwandferner in Richtung Hochjochhospitz herunter zu gehen. Eine größere Seilschaft ist vor uns auf dem gleichen Weg. Wir überholen sie relativ bald, weil wir mit den Schneeschuhen viel schneller sind. Dieser Vorteil wurde jedoch kurz darauf zunichte gemacht. In Unkenntnis über den idealen Weg, bogen wir zu früh im Randbereich auf eine Art Pfad ab, der in der Karte als Delorettenweg bezeichnet wird. Der ließ sich anfangs nicht gut gehen und im Augenwinkel konnte ich sehen, dass die zuvor überholte Seilschaft, wohl mit Bergführer, weiter auf dem Gletscher abstieg. Sie wechselten vermutlich weiter unten erst auf den Delorettenweg, wo er bereits zu einem richtigen Wanderweg mutierte. Aber egal. Auch wir kamen in den frühen Morgenstunden am Hochjochhospitz an und setzten von dort den Weg zu den Rofenhöfen fort. Das hat sich dann auch nochmal ziemlich gezogen. Immerhin stiegen wir in einem Zug vom Brandenburger Haus auf knapp 3300m ab bis zu den Rofenhöfen auf 2014m. Die Höhenmeter sind dabei nicht das Problem, sondern die Weglänge. Alles in allem eine wunderschöne, wenn auch hinten heraus ziemlich anstrengende, Rundtour.