Flugreise nach Meduno in Italien, 29.09.-03.10.2022

Alex und Manuel sind die ganze Woche schon unterwegs auf ihrer „Flugreise“, doch mit viel fliegen war wenig, denn es zog eine Regenfront über die Alpen, die sich leider nicht von der Südseite fernhielt. So sah es auch noch aus, als Astrid und ich uns donnerstags auf den Weg machten. Den ursprünglichen Plan, bereits mittwochs nach der Arbeit loszufahren, verwarfen wir ziemlich schnell, denn es gab keinen Grund sich zu beeilen. Das Wetter blieb mindestens bis inklusive Freitag schlecht mit Dauerregen, niedrig hängenden Wolken, kalten Temperaturen und zu viel Wind fürs Fliegen, weswegen wir einfach den Donnerstag als Reisetag auserkoren hatten. Zu Hause bleiben war keine Option, denn dort reichten die schlechten Aussichten bis über den Sonntag hinaus und mit der Reise hatten wir eine kleine Chance, ab wahrscheinlich samstags fliegen zu können. Also los. Wir buchten nur nochmal unsere Ferienwohnung um, als wir bei genauerer Betrachtung feststellen, dass es in der ersten Wohnung weder Heizung noch Internet gibt. Die Zweite hatte dann wenigstens einen Holzofen und auch Internet.
Die Fahrt vom Ostallgäu nach Meduno ist eine kleine Weltreise, egal welchen Weg Frau wählt, denn eine Direttissima existiert nicht. Aus ökologischen Gründen entschieden wir, den kürzesten Weg zu nehmen, denn Zeit hatten wir ja und die Variante über die Autobahn wären über 100km mehr gewesen auf denen wir natürlich auch schneller gefahren wären und mehr Sprit durchgebracht hätten. So lernen wir Ecken kennen, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren. Der Plöckenpass zum Beispiel über den frau von Kötschach-Mauthen aus nach Italien kommt. Ich erinnere mich, dass ich vor über 30 Jahren schon mal hier gewesen bin und die Gail mit dem Wildwasserkajak paddelte. Es ist diesig und regnerisch als wir über den Pass fahren und es erscheint ein wenig wie das Ende der Welt, wenn da nicht ab und zu ein Auto oder Wohnmobil entgegenkäme. Unsere Ferienwohnung liegt nicht direkt in Meduno und weil das Navi im Auto den Ort Castello di Friuli nicht kennt, übernimmt Google die letzten Meter, die uns über eine Microstraße durch gefühlt dichten Urwald führen, nachdem wir im letzten größeren Ort alles Notwendige für eine ordentliche Pasta eingekauft hatten. Alex und Manuel kommen an diesem Abend spät vom Idrosee gefahren, nachdem sie auf einem Klettersteig dort gut durchgewaschen wurden und wir luden sie ein, gemeinsam mit uns zu futtern. Das ging sich dann auch gut zusammen, wir saßen bis spät in die Nacht zusammen und konnten nach Mitternacht sogar Alex noch zum Purzeltag gratulieren. Sie blieben mit ihrem Bus einfach hinterm Haus stehen.
Was wir jedoch lernten war, dass das Haus bzw. die Wohnung direkt nebenan gerade Baustelle ist und eine energetische Sanierung durchgeführt wird. Es war schon ziemlich nervig an dem späten Nachmittag, als ständig die Schlagbohrmaschine angeworfen wurde und ich ahnte, dass es am nächsten Tag grad so weiter geht.
Das Frühstück am nächsten Tag sollte nicht so früh starten, weil fliegen wegen des Dauerregens sowieso nicht geht und wir im Prinzip nichts anderes auf dem Plan hatten, als Start- und Landeplatz zu besichtigen, noch die Dinge einzukaufen, die fehlten und ein Restaurant für den Abend auszusuchen, um den Geburtstagstag angemessen enden zu lassen. Die Handwerker von neben an waren am nächsten Morgen der Meinung, dass 7:30Uhr ok ist, um wieder die Schlagbohrmaschine anzuwerfen und die Betonwände, die alle Wohnungen miteinander verbinden, taten ihr übriges, den Aufenthalt in der FeWo nahezu unerträglich zu machen. Blöd. Weglaufen war aber irgendwie auch nicht, denn es regnete praktisch durchgehend. Frühstück mit viel Lärm und dann machten wir uns trotz Regen auf den Weg, um ein paar Informationen zum Fluggebiet einzuholen, lernten, dass es zwei Landeplätze gibt, einer am Campingplatz Ai Pradons und einer etwas weiter südlich an der gleichen Straße mit mehr Fläche, der auch der eigentliche öffentliche Landeplatz ist, sowie dass seit Anfang des Jahres erstmals eine Flying Card eingeführt wurde, mit deren Erwerb frau sich quasi als Pilotin legitimiert und mit der alle Landeplatzgebühren für ein Jahr bzw. eine Saison abgegolten sind. Wir planen, uns die Karte noch am Abend im Restaurant des Campingplatzes zu beschaffen, denn die kann dort ausgestellt werden und dort wird superlecker gekocht.
Nach der Landeplatzbesichtigung schauen wir noch nach einem Supermarkt, der allerdings in der Mittagspause war und entscheiden, mal die Straße zum Startplatz hochzufahren, um auch den noch in Augenschein zu nehmen. Eine Bahn gibt es leider nicht. Alle, die Starten wollen, müssen irgendwie zu Fuß oder mit dem Auto rauf. Beides ist ziemlich mühselig, wie wir später lernen. Mit dem Auto vom Landeplatz zum Startplatz dauert es auf der kleinen Straße fast eine halbe Stunde einfach und zu Fuß durch die Berghänge braucht frau etwa 2 Stunden. Es gibt mehrere Shuttleservices, die jedoch keine regelmäßigen Abfahrtszeiten haben und eher nach Bedarf 2-3 mal am Tag pendeln. Die Parkmöglichkeiten am Startplatz sind sehr begrenzt, doch heute ist niemand da. Nebel und Wolken wabern über den Starthang, der sehr großzügig und lieb erscheint, weil breit, lang und ganz homogen geneigt, aber leider vollgeschissen ist. Eine Herde Kühe wohnt hier. Unverkennbar. Mein weißer Pi3 tut mir jetzt schon leid, aber es wird schon irgendwie gehen. Eine hölzerne Startrampe für Drachenflieger gibt es ebenfalls und wer will, kann sein Zeug auch bis zum Gipfel hochtragen und dort starten. Soweit alles klar. Es geht zurück zur Ferienwohnung, wo immer noch fleißig gebohrt und gehämmert wird. Den Nachmittag vertreiben wir uns mit Kuchenbacken, denn Geburtstagskuchen muss schon sein. Astrid hat zu Hause bereits alle Zutaten abgemessen und eingepackt, inklusive der Äpfel vom eigenen Bäumchen, sodass kurze Zeit später ein superleckerer, saftiger Apfelkuchen den Ofen verlässt und vernascht wird.
Am Abend fahren wir nochmal los, um am Campingplatz in der Nähe des Landefelds schön Essen zu gehen. Die Küche des Ai Pradons ist wirklich sehr gut, der Service supernett. Pizza sucht Frau hier vergebens, doch es ist ja auch keine Pizzeria, sondern ein Restaurant mit kurzer Karte und überwiegend regionalen Produkten. Bevor wir das Lokal verlassen, sprechen wir die nette Frau vom Service auf die FlyCard an und sie bestätigt, dass wir die Karte hier gegen 15€ Jahresgebühr bekommen können, nachdem wir ein kleines Formular mit Fluglizenznummer, Versicherung, Verein, etc. gefüllt haben. Die ausgestellte Karte sei dann bis Ende 2022 gültig. Nachträglich wissen wir, dass es klug gewesen ist, das gleich hier zu erledigen, denn am nächsten Tag gingen diese Karten am Landeplatz aus.

Am nächsten Morgen, es ist bereits Samstag, fahren wir bei trübem Wetter sehr früh los zum Landeplatz, um ein Auto stehen zu lassen und mit dem zweiten zum Startplatz hochzufahren. Unten werden bereits morgens die Parkplätze knapp und es scheint auch so zu sein, dass manche hier in ihren Wohnmobilen übernachteten. Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir den Startplatz, an dem sich eine ähnliche Situation zeigt. Nicht wenige haben hier oben übernachtet. Noch ist der Startplatz in den Wolken und die Sicht nach unten versperrt, doch der Nebel lichtet sich bald und wir starten zu einem ersten Abgleiter gegen 10 Uhr, weil der angekündigte Hangwind noch nicht wirklich eingesetzt hat. Für einen ersten Flug ist mir das aber ganz recht, obwohl ich an mir selbst beobachte, dass ich schon gar nicht mehr so schlimm aufgeregt bin vor und während des Startens, wie das sonst der Fall gewesen ist. Das Fluggelände ist ganz gut überschaubar, der Landeplatz in der Ferne eindeutig zu erkennen und die einzige Herausforderung besteht erstmal nur darin, den weißen Pi3 nicht in die Kuhhaufen zu drapieren. Wenige Minuten später bin ich nach einem einwandfreien Start in der Luft, versuche mich gleich zu entspannen als ich merke, dass ich wieder total angespannt im Gurtzeug klemme und steuere sofort in Richtung Landeplatz. Aufwind und Thermik gibt es nicht und so ist der Flug sehr ruhig und nach 6-7 Minuten fliege ich bereits einen ersten Positionskreis und bereite mich aufs Landen vor. Die gelingt sehr gut, ich treffe komfortabel die Landewiese und kann schon sehen, dass der Betrieb deutlich zugenommen hat. Mehrere Flugschulen sind eingetroffen, sogar eine für Drachenflieger:innen aus der Schweiz und es wuselt ganz ordentlich.
Als wir nochmal zum Startplatz kommen, haben sich Pilot:innenmenge und Startbedingungen ebenfalls deutlich verändert. Parken geht kaum noch, die Fläche vor dem Startplatz ist voll mit Menschen, der Starthang selbst ebenfalls und unmittelbar um den Startraum fliegen jede Menge im Aufwind, der nun so stark die Startwiese anströmt, dass mir sofort klar wird, ich werde hier so schnell nicht wieder starten. Das Parawaiting geht los. Mir sind viel zu viele Pilot:innen in der Luft auf engem Raum. Sie fliegen teilweise im Nebel und in den Wolken rum, dass es mir ganz anders wird. Astrid bemerkt in einer anderen Gruppe Katrin, die wir vom Frauenfliegenfest in Lenk kennen. Auch sie hat uns erkannt und wir quatschen ein wenig. Sie und ihre Begleitung sind schon die ganze Woche mit einem Thermikkurs einer Flugschule unterwegs, doch mit Thermikfliegen ging sich bisher gar nichts aus, weswegen die Schule entschied, es in Meduno mit Soaren zu versuchen. Wir verbringen einige Zeit mit Beobachten, doch wenn ich mir die Wetterdaten so ansehe, werde ich frühestens ab 16Uhr nochmal starten können, wenn der Wind etwas nachgelassen hat. Im Moment flattern die Windsäcke waagerecht, was einer Geschwindigkeit von 25-30km/h entspricht.
Wir entscheiden, die Autos wieder so umzuparken, dass wir später wieder fliegen können und danach ein Auto unten ist, damit wir nicht auf den Shuttlebus angewiesen sind, von dem keiner weiß, wann er fährt. Am Landeplatz angekommen, laden wir unsere Schirme zu Alex und Manuel in den Bus, denn Astrid und ich entscheiden, zu Fuß hoch zum Startplatz zu gehen, damit wir uns wenigstens ein bisschen bewegt haben, dabei aber nicht unsere Ausrüstung tragen müssen. Wir waren beide erkältungsmäßig etwas angeschlagen in den Tagen vor der Reise. Vom Landeplatz aus führt mit ein bisschen Suchen ein Pfad zuerst an der nahegelegenen Burgruine vorbei und dann weiter den Hang hinauf auf den Grat, teilweise sehr steil durch urwaldähnliche Abschnitte. Wegen der Regentage ist es ziemlich dampfig und rutschig, der Pfad ist stellenweise nur sehr schwach zu erkennen, manche Dornensträucher hinterlassen Spuren auf unserer Haut. Alles in allem aber sehr schön und abwechslungsreich. Rund zwei Stunden und knapp 800 Höhenmeter später kommen wir oben am Startplatz raus, wo immer noch viel los ist. Viele Drachenflieger:innen haben aufgebaut, doch es starten nur wenige von ihnen. Der Wind hat etwas nachgelassen und nachdem Astrid und ich uns trockengelegt haben, tragen wir unser Zeug zum Startplatz, machen uns nochmal fertig und starten per Rückwärtsaufziehen in unseren zweiten Flug für heute. Mein zweiter Rückwärtsstart ever gelingt sauber. Ich bin ein wenig stolz. Wenn es um Windgeschwindigkeiten geht, traue ich mir noch nicht so viel zu. Deswegen freut es mich umso mehr, dass es geklappt hat. Alex und Manuel starten ebenfalls und kurze Zeit später sind wir am Landeplatz wieder vollzählig. Ich bin nicht ganz sicher, doch soweit ich weiß legte Manuel noch eine Toplandung am Startplatz hin. Das soll da vergleichsweise einfach sein und bietet sich deswegen zum Üben an, doch ich für meinen Teil bin erstmal froh, dass das „normale“ Starten und insbesondere das Landen für meine Verhältnisse wirklich gut läuft. Einmal müssen wir noch hoch, um den Bus von Alex und Manuel zu holen und als wir oben angekommen sind, entscheiden die beiden, nochmal runter zu fliegen. Es dämmert bereits als sie starten, doch der Landeplatz ist noch einwandfrei erkennbar. Astrid und ich bringen die beiden Autos nach unten, sammeln die zwei anderen ein und dann wird es höchste Eisenbahn, um noch zu Öffnungszeiten in den einzigen kleinen Supermarkt auf dem Weg zur FeWo zu kommen, denn heute kochen wir selbst und haben noch nix da. Wir schaffen’s gerade so und so kommt am Abend eine leckere Gemüse-Tajine auf den Tisch.

Sonntagmorgen. Heute geht’s nicht so früh los, denn der Wind wird erst ab etwa Mittag gut anstehen, sagt die Burnair App. Die ursprünglich sonnige Vorhersage hat sich ein wenig verschlechtert und wir müssen immer wieder mit einem wolkenverhangenen Startplatz rechnen. Deswegen starte ich in meinen ersten Abgleiter eine gute Stunde später als am Vortag. Danach ist erstmal wieder Parawaiting, weil der Startplatz immer wieder mal im Nebel liegt, was jedoch nur wenige vom Starten abhält. Der Himmel ist gut gefüllt zwischendurch und als mal so ein ganzer Pulk in einer Wolke verschwindet, kann ich nicht mehr hinsehen. Mich hätte es nicht gewundert, wenn es zu Kollisionen gekommen wäre, doch es ging gut aus. Erst am fortgeschrittenen Nachmittag starte ich erneut, versuche, an der Hangkante etwas von dem Aufwind abzubekommen, doch ich stochere so ein bisschen im Nichts herum. Kein Steigen. Ich bemerke jedoch, dass inzwischen ein relativ starker Talwind eingesetzt hat und entscheide mich dazu, auf mehr oder weniger direktem Weg zum Landeplatz zu fliegen. Die Flugstrecke beträgt inklusive einer halbwegs großzügigen Landevolte so um die 4,5km was bei einem Höhenunterschied von knapp 800 normalerweise auch mit einem Anfängerinnenschirm komfortabel ausreicht. Bei Gegenwind zum Landeplatz sieht die Sache allerdings anders aus. Wenn der Schirm nur noch mit 10-15km/h vorwärts fliegt, geht die Höhe ziemlich schnell aus. Als ich am Landeplatz ankomme, fliege ich direkt in eine kurze Landeeinteilung ohne Positionskreise, lande dann auch gleich ganz sanft und informiere Astrid über Funk über die Windverhältnisse am Landeplatz. Mangels Funk kann ich die anderen beiden leider nicht informieren und so landet Manuel bei einem seiner Flüge einen Landeplatz früher am Campingplatz und Alex muss leider das angrenzende Bohnenfeld nehmen, weil sie gar nicht mehr vorwärts kam. Damit war sie allerdings nicht die einzige. Ein weiterer Flug geht sich an diesem Tag noch aus. Meine Landungen sind super. In fünf Flügen keine Popolandung. Ich lerne so langsam auch, was mir mein Variometer so anzeigt und ich beginne damit, die Informationen für meine Flüge zu nutzen. Natürlich nur in sehr kleinen Schritten, aber immerhin. Nachmittags traf noch ein Spezl von Alex und Manuel, Christian, ein. Er fliegt schon recht lange und gibt seine Erfahrungen immer wieder auch insbesondere an Manuel weiter, der in den vergangenen Monaten hin und wieder mit ihm fliegen gewesen ist. Ein angenehmer Mensch, wenngleich ich sein Pinzgauerisch kaum verstehe.
Für heute Abend ist Pizzaessen auf dem Plan. Gut und einfach mit einem Becher Bier dazu. Ich weiß nicht woran das liegt, dass Pizzerien in Deutschland häufig nur so Gummifladen mit ein bisschen irgendwas hinbekommen. Ist es so schwer, eine knusprige, fein belegte Pizza mit Geschmack zu zaubern? Anscheinend schon. An diesem Abend ist es gelungen. Gemütlich ist’s zwar nicht, eher ein Takeaway-Lokal, aber die Pizzen sind sensationell lecker. Ein kleiner Laden neben dem kleinen Supermarkt in Travesio. Gut gesättigt fahren wir alle zu unserer FeWo, wo Alex und Manuel und jetzt auch Christian mit ihren Bussen einfach hinterm Haus über Nacht stehen können. Wir trinken noch ein Bier, quatschen und schauen die Wetterprognose für den nächsten Tag an. Die Sonne soll endlich mal rauskommen und, wenn die Prognose zutrifft, soll es auch einen moderaten Aufwind mit eventuell ein bisschen Thermik ab etwa Mittag geben. Das wäre ja mal was. Alle meine letzten fünf Flüge bestanden nur aus Starten, Runterfliegen und Landen. Das wird ein bisschen langweilig mit der Zeit, denn auf so einem ruhigen Flug ist halt auch nicht viel zu tun. Manchmal rolle und nicke ich zwar mal oder ziehe die Ohren ein, doch mal oben bleiben, bisschen schauen müssen, wo es weiter rauf geht und mal in Thermiken ein- und ausfliegen würde die Sache sehr viel spannender machen.

Der letzte Tag ist ein Montag. Der 3. Oktober und wie Frau sich vorstellen kann, sind Start- und Landeplatz fest in deutscher Hand. Die tschechische Flugschule sowie die meisten Österreicher sind abgereist. Leer ist es dennoch bei Weitem nicht. Auch die Dracheflieger:innen aus der Schweiz sind noch da. Der erste Flug ist erneut einfach nur ein „Starten, Landeplatz erreichen, landen“-Flug für alle. Der zweite Flug ist dann allerdings anders. Ich erwische ein wenig Aufwind, fliege aber nicht konsequent genug, um ihn weiter auszunutzen, was Astrid hingegen viel besser gelingt. Ich sehe sie irgendwann weit über mir als ich weiter unten noch vor dem Hang entlang kratze. Sie erwischt zusätzlich einen Thermikbart, der mir zwar auch im Variometer angezeigt wird, doch zwischen mir und dem Bart liegt leider eine Felskante. Sie schafft es, einige Runden darin zu drehen und weiter hoch zu kommen. Das freut mich für sie. So macht fliegen gleich viel mehr Spaß. Von allen anderen weiß ich zu dem Zeitpunkt nix und nach ein paar Mal am Hang kreuzen geht mir so langsam die Höhe aus. Der Flug dauerte trotzdem doppelt so lange als alle anderen vorher, was ich für mich auf jeden Fall als ein äußerst positives Erlebnis abspeichern kann. Die Landung ist Zucker und dann warte ich auf die anderen. Astrid kommt gute 10 Minuten nach mir zum Landen. Alex folgt und auch Katrin ist schön geflogen und kommt zum Landen. Nur von den anderen beiden wissen wir so gut wie nichts. Christian meldete sich zwar zwischendurch per Telefon und meinte, Manuel würde wohl zum Landen kommen, weil er abgesoffen ist, doch am Himmel ist nichts von ihm zu sehen. Kontakt herstellen geht wegen des fehlenden Funks auch nicht und so sitzen wir ewig rum und warten ins Ungewisse. Astrid und ich hatten uns eine Startzeit fürs Heimfahren gesetzt und mit der Warterei wird schnell klar, dass sich für uns kein dritter Flug mehr ausgeht, wenn wir nicht erst spät in der Nacht nach Hause kommen wollen. Blöd. Diese elend langen Auffahrten in diesem Fluggebiet können richtige Showstopper sein. Als es dann auf 14Uhr losgeht, wo wir eigentlich die Heimfahrt starten wollten, und immer noch nix von den beiden anderen gekommen ist, schlage ich vor, dass wir Alex und Katrin halt einfach nochmal hochfahren. Dann haben wenigstens sie alle Möglichkeiten, weil alle anderen Autos außer unserem, am Startplatz stehen, auch wenn das für uns einen wesentlich späteren Start bedeutet. Der Shuttlebus ist, wie die Tage zuvor, ein eher zufälliges Ereignis.
Unser Auto ist bloß bereits für die Heimfahrt gepackt, also räumen wir es soweit leer, dass außer der Fahrerin noch zwei mit Schirm mitfahren können und Astrid startet mit den beiden nach oben, während ich auf der Landewiese mit unserem Zeug bleibe. Immerhin scheint die Sonne und ich breite mir eine Yogamatte aus, mache es mir bequem und schaue mal nach dem Weg. Eine knappe Stunde später ist Astrid wieder da und wie vermutet, sind Christian und Manuel oben Top gelandet. Wir haben umsonst gewartet. Priml. Zeug wieder ins Auto und los. Wenigstens gibt’s auf der Fahrt nicht mehr ganz so viel Stau und Zirkus, wie auf dem Hinweg. Mit Stopp im Supermarkt und an der Tankstelle schaffen wir es, gegen 22 Uhr an unserer Holzhütte im Ostallgäu zurück zu sein. Bereits auf der Fahrt stellte ich mir die Frage, ob so weit fahren für so wenig fliegen schlau ist. Diese geplanten Fliegeausflüge haben im Grunde den gleichen Charakter, wie die Kurse während der Ausbildung. Ob fliegen geht, weiß Frau erst, wenn sie da ist und inhaltlich ist es dann irgendwie immer das gleiche. Der Betrieb am Start- und Landeplatz in Meduno ist identisch mit dem an einem fliegbaren Sonntag am Tegelberg, obwohl es hieß, Meduno sei etwas weniger stark frequentiert, wie z.B. das nahegelegene Bassano. Dann weiß ich schon, wo ich sicher nicht zum Fliegen hinfahre. So besonders attraktiv ist die Kulisse darüber hinaus auch nicht. Da hat’s mir im Hochgebirge im Wallis besser gefallen und dort ist das Fliegen an sich sehr viel anspruchsvoller. Ein paar schöne Tage waren’s trotzdem, gelernt habe ich auch viel und -mir besonders wichtig- alle Landungen gingen ohne Stolperer oder Bodenkontakt mit den Extremitäten aus. Und wir starteten mehrmals erfolgreich per rückwärts aufziehen. Und ich durfte ganz viel Freizeit mit meinem Lieblingsmenschen bei den Dingen verbringen, die uns beiden Spaß machen.