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Hüttengrat am Hochwiesler, 5SL 4+, 18.11.2018

Draußen klettern im November

Für das 3. Wochenende im November war eigentlich eine Gratkletterei auf den Hohen Gaif geplant. Doch die Kreuzeckbahn ist in Revision und öffnet erst wieder zum Skibetrieb. Ohne Bahnunterstützung ist die Tour für einen Novembertag für unsere Verhältnisse etwas zu lang. Also. Ein neuer Plan musste her. Der war schnell gefunden, denn unser Bergführer hatte uns während unseres Gratkletter-Wochenendes im Juni unter anderem den Hüttengrat im Tannheimer Tal empfohlen. Der steht sogar in unserem Genusskletterführer drin und die Wetterprognose für jenes Wochenende war grandios. Kalt aber sonnig.
Das Tannheimer Tal ist von uns aus in einer Stunde erreichbar. Erst recht Sonntagsmorgens. Vom Parkplatz am westlichen Ortseingang von Nesselwängle aus gelangt man auf steilem Weg in gut einer Stunde zum Gimpelhaus. Es war in der Tat ganz schön kalt. Die ersten Tage mit leichtem Frost für diesen Herbst. Wir befürchteten, dass es uns am Fels elends friert. Der Einstieg in die Kletterei liegt über 1700m hoch. Aus dem Grund war der Rucksack vollgepackt mit Wechselklamotten, Daunenjacke, heißem Tee und diversem Handschuh- und Mützensortiment. Doch bereits auf dem Hüttenzustieg zog ich Handschuhe, Mütze und eine Lage Jacken aus. Je weiter wir nach oben kamen und je länger die Sonne reinschien, desto angenehmer wurde es. Der Wandzustieg ab Gimpelhaus führt zunächst weiter in Richtung Gimpel/Rote Flüh. An einem großen Stein rechter Hand nach ca. 10Min vom Gimpelhaus zieht ein kleiner Pfad nach links zum Grat. Der Grat liegt ostseitig. D.h. von Sonnenaufgang an wärmte sich der Fels auf. Als wir am Einstieg eintrafen, war er schon nahezu warm. Trotzdem wechselten wir sämtliche verschwitzten Kleidungsstücke, denn in den Standplätzen wartend wäre man schnell ausgekühlt. Zusätzlich kam noch eine lange Unterhose drunter. Wo Schatten war, lagen die Temperaturen nur knapp über Null Grad und wir wussten nicht, ob es weiter oben windig ist.
Ich erzähle häufig, dass ich zu Beginn unserer Bergfahrten immer wahnsinnig aufgeregt bin. Meistens glaubt mir niemand, doch das ist wirklich so. Und dieses Mal ganz besonders. Die einzelnen Seillängen enthalten zwar keine besonders schweren Stellen, doch wir sind das letzte Mal im Januar in Arco so am Fels geklettert. Auf der ersten Seillänge eiere ich demzufolge immer ein wenig rum und bin unsicher. Meistens, so auch hier, legt sich das schnell. Doch die ersten paar Meter Anlauf sind (fast) immer nötig. Der Weg hinauf war gut zu finden. Sicherlich lag das unter anderem daran, dass es nur eine Route auf der Kante gibt. Verlaufen unmöglich. Darin sind wir/bin ich ansonsten Meisterin(nen). Ebenfalls ganz praktisch: Eine der anspruchsvolleren Passagen dieser Kletterei befindet sich direkt am Einstieg. So hat man Gelegenheit, bereits auf den ersten Metern festzustellen, ob's was wird. Es wurde. Und zwar ganz schön schön. Die gesamte Kletterei lag in der Sonne. Wind ging kaum. Die Gämsen schauten uns zu. Gut, dass man deren Gedanken nicht lesen kann. Die lachen sich wahrscheinlich scheckig über so viel Tun wegen ein paar Metern Fels.
Wir kletterten überschlägig. Das Handling am Stand hat super funktioniert. Und so kamen wir für unsere Verhältnisse gut voran, ohne dass der Genuss der Umgebung oder die Sicherheit darunter gelitten hätten. Oben angekommen, war der erste Abseilpunkt schnell erreicht. Leider haben wir es versäumt, ein Wir-sind-oben-angekommen-Foto zu schiessen. Manni war ein wenig sauer. Sorry, my friend. Zum Abseilen wechselten wir in die Bergstiefel. Und dann ging die Fahrt nach unten auch schon los. Die weiteren zwei Abseilpunkte sind gut von oben zu erkennen, da jeweils mit großem rotem Punkt ausgestattet. Ein wenig Gewirr mit 2x 60m Halbseil gibt es immer mal. Hatten wir aber auch im Griff. Ganz wichtig beim Abseilen mit dem Achter: Die Hintersicherung per Prusik und die Knoten an den Seilenden nicht vergessen. Sonst kann es blöd werden.
Unten angekommen, schossen wir unsere Seile auf, verstauten ein wenig Gepäck, das wir am Wandfuß zurückgelassen hatten und machten uns auf den Weg zum Gimpelhaus. An der Berwachthütte legten wir eine hübsche Pause ein, tranken und aßen und genossen die Herbstsonne. Mit allen Pausen, Auf- und Abstieg zum Grat, sowie der Kletterei benötigten wir knapp 7 Stunden. Ein Traumtag.