Radrundfahrt Bad Wörishofen-Irsee-Kaufbeuren, 62,5 km, 20.02.2021

Die Arbeitswoche war anstrengend und ich konnte mich nicht motivieren, samstags gleich schon wieder so früh aufzubrechen, um mich in völlig überlaufene Gegenden zu stürzen, in denen es vielleicht noch ein paar Meter schlechten Schnee gibt. Es war für beide Tage sehr warmes Wetter vorhergesagt. Deutlich zweistellig im Plus und wenig Wind. Wir diskutierten freitagsabends einige Tourenvorschläge und einigten uns darauf, Ausschlafen, in Ruhe frühstücken, ein wenig Radfahren sind auch gut, um ins Wochenende zu starten.

Eine kleine Herausforderung soll so eine Radtour natürlich schon sein und die üblichen Trainingsrunden, die wir unter der Woche so machen, schieden von vorne herein aus, da zu kurz und zu bekannt. Mit ein wenig Schnorcheln im Netz stießen wir auf eine Seite der bayerischen Regierung, in der das gesamte Radnetz abgebildet ist und in der es einen Routenplaner gibt, an dessen Ende ein GPX-Export zur Verfügung steht (https://www.radroutenplaner-bayern.de). Fein. Astrid beginnt, eine Route zusammenzuklicken, die bei uns zu Hause startet und endet. Startpunkt, klick, klick, Zwischenpunkt #5, Zwischenpunkt #6, .... Wie viele es nachher geworden sind, weiß ich nicht. Der Planer wirft am Ende 61,27km raus mit etwa 600 Höhenmetern. Für Menschen, die mit dem Rennrad unterwegs sind, erscheint das wie ein Spaziergang. Mit dem Bergfahrrad ist das für uns schon relativ viel. Mich wundert, dass so viele Höhenmeter zusammengekommen sind, denn eigentlich ist es bei uns nahezu tellereben. Kann aber auch sein, dass der Wert recht ungenau ermittelt wurde. Ich denke nicht weiter darüber nach. Es gibt bei uns keine Anstiege, die ernsthaft schwierig wären. Mehr Sorgen mache ich mir um meinen Popo. 3-4 Stunden auf dem Sattel ist absolut ungewohnt. Aber wird schon gehen. Track auf die Uhr kopiert. Passt.

Es ist Samstagmorgen. Wir lassen es gemütlich angehen. Bevor wir los können, ist ein wenig Wartung an den Rädern nötig. Nach der letzten Tour spritzten wir schnell den dicksten Schlamm mit dem Gartenschlauch runter, stellten die Räder tropfnass unter und haben jetzt natürlich einen von vorne bis hinten rostigen Antrieb. Das tut meinem Herzen weh. Der Rost muss runter, neues Kettenöl drauf. Erst dann treten wir los. Der größte Teil der Fahrt führt uns über wenig befahrene Asphaltstrecken. Wir kommen durch Dörfer, die wir meist nur vom Hörensagen kennen. Das mag ich am Radeln bei uns zu Hause. Hinter jeder Kurve gibt es Neues zu sehen. Und wenn es nur eine neue Perspektive auf Bekanntes ist. Zeit zum Schauen ist auch da. Die Sonne scheint. Es ist zwar noch kalt, doch das ändert sich im Verlauf schnell. Waal, Jengen, Bad Wörishofen, Baisweil. Der erste Teil der Strecke ist bis auf einen winzigen Muggel flach. Die ersten Kilometer verfliegen schnell. Ich höre in mich hinein. Meinem Popo geht es nach 30km noch gut.

Gegenüber des Klosters Irsee in Irsee legen wir eine Pause ein. Hier war ich auch noch nie. Viel davon gehört. Es soll auch einen Biergarten geben. Der ist natürlich gerade geschlossen. Leider erinnern mich solch riesige kirchliche Anlagen immer auch an das Leid, dass die habgierigen geilen überwiegend alten Männer in ihren lustigen Kleidern über die Menschen gebracht haben und teilweise immer noch bringen. Mein Verstand weiß, dass sicher nicht alle schlimme Teufel waren oder sind. Der Gedanke haftet jedoch hartnäckig in meinem Gehirn.
Egal, wir sitzen in der Sonne, knabbern unsere Brote. Es herrscht Ruhe. Für die Weiterfahrt specken wir ein wenig Kleidung ab. Es beginnen die Abschnitte, auf denen die Höhenmeter zusammenkommen. Einen ersten Vorgeschmack gab es mit dem Anstieg nach Irsee. Doch wir haben auch schon etwa 36km geschafft. Nächstes Ziel: Kaufbeuren.

Überraschend schnell sind wir dort. Allerdings müssen wir mitten durch die Stadt, was die Fahrt stark bremst. Wir folgen nicht ganz dem Track auf der Uhr, weil wir uns ein wenig auskennen. Beides ist gleich gut. Das Ziel auf der anderen Seite der Stadt ist die Einfahrt in die alte Bahnstrecke, auf der mal eine Schmalspurbahn nach Schongau unterwegs gewesen ist. Heute zum Radweg ausgebaut, ist es eine Strecke auf der sich bei schönem Wetter recht viel Volk trifft. Läufer:innen, Skater:innen, Radfahrer:innen, Spaziergänger:innen, usw. Sie führt uns durch ein paar Dörfer durch auf nahezu direktem Weg in heimische Gefilde. Mein Popo meldete sich inzwischen, dass er ein wenig die Geduld verliert und auch meine Schenkelchen sind etwas erschöpft. 52km. Wir sind trotzdem der Meinung, dass ein paar Extrahöhenmeter noch gehen und biegen vom Track runter, um in den Hügeln, die wir nun kennen, noch den einen oder anderen Anstieg anzuhängen. Damit schaffen wir am Ende auch die vorhergesagten Höhenmeter und übertreffen sogar ein klein wenig die Streckenlänge. Meine bis dato längste selbst aufgezeichnete Tour mit dem Fahrradl. Die prognostizierte Dauer unterschreiten wir um fast eine Stunde. Ein gutes Gefühl macht sich breit. Erstmal Kaffee/Schokolade auf der Terrasse in der Sonne. Der Tag ist noch jung. Aber chillen ist auch wichtig.