Der Jahreswechsel 2019/2020 auf Ski

Staffkogel am 31.12.2019 und Geierkogel am 01.01.2020

Ein paar stressige Wochen und Wochenenden auf der Arbeit sind geschafft. Weihnachten 3 Tage mit den Kindern zum Skifahren auch. Wobei das keine ernstgemeinte Belastung war. Es hat Spaß gemacht, nach vielen Wochen endlich den Kopf für ein paar Stunden mit anderen Dingen beschäftigen zu dürfen, als mit Bits und Bytes. Das Wetter und die Lawinenlage um Weihnachten verhinderte, dass wir abseits der Pisten wühlen konnten. Aber mal einfach ein bisschen Piste zu kratzen hat ja auch was Erholsames. 


Dann der Jahreswechsel. Wir sind mit unseren Freunden aus Saalfelden verabredet, Silvester dort zu verbringen. Da ich keinen Urlaub bekam, arbeitete ich bis auf den letzten Drücker, bevor es losgehen konnte. Gepackt ist schnell. So, wie andere ihren Kleiderschrank von Sommer auf Winter umstellen, so stellen wir unseren Bergsportladen zu Hause um. Alles, was für ein gelungenes Skitourenwochenende nötig ist, liegt griffbereit. Es dauert weniger als 15 Minuten bis die Triebwerke starten. Abends angekommen, wird lecker Futter produziert. Ganz wichtig. Im Nu ist eine Tour für den Silvestertag gefunden. Sie führt eigentlich über 3 Gipfel: Staffkogel-Saalkogel-Tristkogel. Wären dann so rund 1800 Höhenmeter. Meine Füße taten schon weh, als ich das hörte. Aber immer langsam mit den jungen Pferden. Plan A: Wir fangen mit dem ersten Gipfel an und würfeln dann neu. Start ist im Talschluss in Saalbach/Hinterglemm. Genauer in Lengau. Dort, wo die Straße endet, ist ein Parkplatz. Der ist schon einigermaßen gefüllt, als wir eintreffen. Es ist kalt. Schnell fertigmachen, Felle drauf und los. Das erste Stück geht flach an einer Loipe entlang bevor der Weg abzweigt und steiler in den Wald führt. Wie immer, beginnt mein Kopf, sich Gedanken zu machen, ob wohl hier auch die Abfahrt entlang führt? Zugegebenermaßen beschäftigte ich mich nicht mit dem Weg zum Ziel und hatte keine Ahnung, was uns erwartet. Nur abfahren wollte ich hier nicht. Es geht aber erstmal rauf. Kopf ausschalten und Ski schieben. Mehr ist erstmal nicht nötig. Der Schnee ist gut. Kein Matsch, kein Harsch. Ich höre gespannt auf meine Füße. Seit einiger Zeit trage ich wegen diverser Fußprobleme Einlagen und wie an anderer Stelle schon beschrieben, ist das in den Tourenstiefeln immer so eine Sache, ob's tut oder nicht. Scheint aber gut zu sein. Das Zwicken an der üblichen Stelle startet erst kurz unterm Gipfel. Es gibt keine passenden Skitourenstiefel für meine Füße. Nach zwei Wintern, in denen ich alle Regale durchprobierte und die 3 paar Stiefel, die ich in 4 Jahren an den Füßen hatte, führen über kurz oder lang immer zu einer gigantischen Blase an der gleichen Stelle. In meinen aktuellen Stiefeln geht es bis jetzt am Besten. Der Zirkus startet erst jenseits der 1000Hm. 


Der Gipfelhang. Nach den letzten steilen Kurven durch Bäume erkenne ich, dass die Abfahrt nicht dem Aufstiegsweg folgt. Gut so. Die letzten 60-80Hm sind bloß ziemlich steil und zerfahren. Aufstiegsspur: Fehlanzeige. Alles kaputt. Die Leute, die abfahren während wir aufsteigen, sind alle am Kämpfen. Ich denke mir zunächst nichts dabei. Der Schnee ist immer noch gut. Wird schon gehen. Bin noch überall runtergekommen, ohne mir den Hals zu brechen. Wir erreichen den Gipfel. Eine kurze Rast, ein Gipfelfoto. Die neuen Ski unserer Freunde haben im Aufstieg alles gehalten, was sie versprachen. Sind schon viel leichter als die alten Latten. Wenngleich leicht auch eine Kehrseite hat. Die lässt nicht lange auf sich warten. Nachdem wir unter uns vereinbarten, dass ein Gipfel gut ist und wir die anderen beiden aus unterschiedlichen Gründen auslassen wollen, machen wir uns für die Abfahrt klar. Nach allem, was wir bis dahin sahen, ist nur der Gipfelhang steil und zerfahren. Ich rutsche los und sehe mir das aus der Nähe an. Es wird ein ziemliches Gewürge, bis ich soweit unten bin, um halbwegs schöne Kurven ziehen zu können. Wir treffen uns an der nächsten Geländekante und erste Laute dringen an mein Ohr, wie gotschelig die neuen Schuhe und Ski seien. So ist das mit leicht. Wir versichern, dass es uns in unseren Schuhen nicht anders geht. In der Abfahrt fühlen sie sich bisweilen wie Pantoffeln an. Muss man sich dran gewöhnen. Das steilste Stück lag hinter uns. Es folgten einige mehr oder weniger gute Pulverschneeabfahrten. Mit den etwas moderateren Konditionen wurden schnell die Vorzüge der breiteren Ski entdeckt. Anstrengend bleibt es immer. Spaß muss es machen. Und den hatten wir. Zart im Eimer erreichen wir das Auto. Ein großartiges Ende für 2019 würde ich sagen. 
Letzte Besorgungen für das Abendessen sind schnell erledigt. Eine heiße Dusche und ab in die Silvesternacht.


Ein neuer Tag, ein neues Jahr. Unter der Prämisse, das neue Jahr mit einer leichten Skitour einzuläuten, haben wir es nicht wirklich krachen lassen. Wir wählen den Geierkogel. Sind zwar auch fast 1000Hm. Die führen im unteren Drittel jedoch an einer Skipiste vorbei und der gesamte Anstieg ist sehr homogen. Bisschen doof ist das warme Wetter. Fühlt sich fast nach Frühling an. Also oben war's warm. Unten im Tal war's nebelig und kalt. Wie das so ist bei einer Inversionswetterlage. Kaum hatten wir den Nebel hinter uns gelassen, mussten die Klamotten runter und die Felle begannen, durch zu weichen. Nach der ersten Schattenpassage ging die Stollerei los. Bisweilen ging der Grip bis auf Null runter und -nun ja- Haftreibung ging in Gleitreibung über. Zack. Peng. Im Schnee lieg. Zwei Mal. Und das auch noch mit Publikum. Wie peinlich. Danach wählte ich meist die Spur neben der Spur. Dort, wo genug Schnee lag, ging's noch am Besten, auch wenn die Spurarbeit von meinem Fuß bestraft wurde. Dem musste ich nach etwa der Hälfte ein Blasenpflaster verpassen. Noch ein wenig beleidigt vom Vortag, war das abzusehen. Schwer, sich vom Schmerz nicht den Tag versauen zu lassen. 
Doch wir steigen ja nicht auf den Lhotse. Es ist nur der Geierkogel. Bei strahlendem Sonnenschein und einer ziemlich guten Fernsicht erreichen wir nach rund 3h den Gipfel. Wir sind sogar kurz alleine und es gibt Bänke. Fein. Und windstill ist es auch noch. Eigentlich dürfte frau gar nicht mehr weggehen. Im gegenüberliegenden Skigebiet treten sich die Leute tot. Hier ist keiner. Ober besser gesagt, nur sehr wenige. Tee, Bemme, Schoki. Wie üblich, ragen neue Ziele auf, wenn wir irgendwo ankommen. Zum Beispiel der Großglockner oder der Groß Venediger. Die kann frau nämlich vom Geierkogel aus sehen. Und das große Wiesbachhorn. Und, und, und .....
Abfahrt. Das warme Wetter macht schweren Schnee. Schön Skifahren ist anders. Und weil es ein paar Tage nicht geschneit hat, die Tour relativ einfach ist und nicht zu lang, sind die Hänge entsprechend zerfahren. Ich denke mir allerdings, alles ist besser als Bruchharsch. Wir müssen runter, bevor die Chose wieder friert. Und so rutschen wir die oberen zwei Drittel runter bis wir die Piste erreichen. Meine Frau und ich entscheiden uns wegen Knien und Füßen für die Piste. Die anderen beiden drehen noch eine Runde durchs Gelände. Kurz vorm Ziel treffen wir wieder aufeinander und kratzen die letzten Meter über Eis durch den Nebel zurück zum Auto. Ein feiner Start ins neue Jahr.

 

 

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