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Zugspitze, 2962m

Langer Hatsch mit Überraschung.

Goldener Oktober, alle Hütten zu, ein langer Aufstieg. Beste Bedinungen, um auf der Strecke durchs Höllental nicht ständig im Stau zu stehen. Die Idee, nochmal über diesen Weg auf den höchsten Berg Deutschlands zu gehen, wurde geboren, als unser lieber Nachbar den Wunsch äußerte, genau das gerne mal tun zu wollen. Nun, was hilft, um es auch zu tun, ist ein fester Termin. Der ließ sich hervorragend in ein Wochenende mit Muschelessen und einem weiteren Wandertermin mit meinem Arbeitskollegen und seiner Freundin integrieren. Dass bei zwei Touren an zwei Tagen hintereinander damit fast 3200 Höhenmeter zusammenkommen, hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Also, 20.10.2018. Ein Samstag. Zugspitze. By fair means. Insgeheim drückte ich mir die Daumen, dass das Wetter nicht so optimal ist, denn dann bleiben vielleicht ein paar Aspiranten unten im Tal. Mir war nicht bewusst, dass die Höllentalangerhütte (1387m) so früh ihre Pforten schließt. Das lernte ich in der Woche vor dem Start. Super, dachte ich. Dann bleibt nur der lange Weg. Für alle. Bei 2200 Höhenmetern am Stück wird der Kreis derer, die sich so etwas auferlegen, schnell sehr viel kleiner. Zu unserem Nachbarn und uns beiden stießen noch unsere Bergsteigerfreundin und ihr Mo dazu. Startzeit sollte um 6 Uhr am Wanderparkplatz Hammersbach (757m) sein.
Das haben wir auch fast geschafft. Früh aufstehen war angesagt. Abfahrt bei uns zu Hause war 4:45 Uhr. Fertig bepackt mit Stiefelchen, Stöckchen, Lämpchen und Mützchen (kalt wars) wackelten wir um 6:30 Uhr los. Meilenstein #1: Höllentalklamm. Die ist auf einem breiten Steig beziehungsweise Fahrweg schnell erreicht. Auf dem Weg dorthin wurde es hell. Die Klamm ist schon sehenswert. Ich war nur froh, dass sich um diese nachtschlafende Zeit keine Touristen dort herumtreiben. Man kommt besser voran, wenn keine Patienten auf dem schmalen Pfad im Weg herum stehen. Meilenstein #2: Die Hölle. So wird in Wanderer- und Bergsteigerkreisen die Höllentalangerhütte genannt. Wir legten eine erste Pause ein. Ziemlich genau 2h benötigten wir, um die Hölle zu erreichen. Semmel, Pfefferbeißer und ein Schluck heißer Tee liefen rein. Der Mo unserer Freundin war leicht angeschlagen. Doch er wollte die Tour auf keinen Fall verpassen. Wir lernen später, warum das so ist. Die Umgebung war zart angefrostet. Stehen bleiben bedeutet frieren. Und weiter. Es warten noch fast 1600 Höhenmeter. Meilenstein #3: Einstieg in den ersten Klettersteig. Hier wird der Rucksack etwas leichter. Klettergurt, Klettersteigset und Helm werden benötigt, um "Leiter" und "Brettl" zu durchsteigen. Die Stellen hören sich spektakulär an, doch wirklich schwierig ist da nix dran. Am Ende des Steiges geht es in leichter Kraxelei bis zum Wanderweg weiter. Diesem folgten wir, bis ein kleiner Fleck mit Sonne vorbei kam, wo wir nach ca. 4,5h auf ca. 2150m eine weitere Pause einlegten. Ein paar warme Strahlen taten gut. Um diese Jahreszeit bleibt das gesamte Tal bis auf wenige Stellen ganztägig im Schatten. Ein paar Dohlen gesellten sich zu uns. Wir teilten unser Futter mit ihnen. Meilenstein #4 wartet. Der Übergang von der Schutthalde aufs Eis. Das kleine Gletscherchen war im unteren Bereich aper. Hier ist eindeutig zu sehen, dass er nicht spaltenfrei ist. Beim Anlegen der Steigeisen durften alle Teilnehmer, die noch nie eine Eisschraube versenkten, mal einen festen Punkt im Eis herstellen. Eine tolle Erfindung. So eine Eisschraube. Weiter geht es auf dem Eis. Es ist sehr glasig und hart, stelle ich fest. Meine Eisen sollten dringend mal nachgeschliffen werden. Weiter oben gab es gefrorenen Firn, der sich deutlich besser gehen ließ. Wirklich weit ist es jedoch nicht bis zum Bergschrund. Das Seil blieb übern Gletscher im Rucksack. Meilenstein #5: Der Bergschrund. Nach knapp 6h packten wir Steigeisen, Pickel und Stöcke in den Rucksack und stiegen in den Klettersteig, der zum Gipfel führt, ein. Den Schrund zu überwinden war kein Problem. Er lag an den beiden Einstiegen bis oben hin voll mit Schnee und Eis. Beide Steige wurden außerdem diesen Sommer ein Stück nach unten verlängert. Beziehungsweise wurde der linke Einstieg nach meinem Kenntnisstand völlig neu angelegt. Es musste jedenfalls nicht frei geklettert werden. Nun folgt die nicht enden wollende Klipperei gen Gipfel. Die Sicherungspunkte liegen teilweise so dicht, dass auch mal einer übersprungen werden kann. Hier und da gibt es Unterbrechungen in der Sicherungskette. Ist aber alles nicht so wild. Die Länge des Steiges zehrt irgendwann lediglich etwas an der Kondition. Oben raus liegt Schnee im Steig. Die Tritte sind durch die häufigen Begehungen teilweise zu Blankeis komprimiert und geschliffen. Vorsicht ist geboten. Doch es ging noch ohne Steigeisen. Dank dem Stahlseil. Das große goldene Gipfelkreuz ist schon sehr weit von unten sichtbar. Je näher wir ihm kamen, umso mehr wurde klar, dass der Gipfel völlig mit Touristen überlaufen ist. 
Meilenstein #6: Nach etwas mehr als 8h erreichten wir das Gipfelareal, wo es mit der Ruhe vorbei war. Drama, Baby. Mit Slipper, Jacket und Goldkettchen in todesverachtenden Bewegungen schlängelten sich die Bahnfahrer über blankpolierte Felsen. Auf dem Popo rutschend um Halt ringend kämpften sich einige bis zum Kreuz vor. Wahnsinn. Hier wünschte ich mir wieder, dass es schneien würde. Dann gäbe es diesen Zirkus nicht. Aber so ist das bei prominenten, leicht erreichbaren Gipfeln. Außerdem will ich nicht verschweigen, dass mein Weg nach unten ebenfalls mit der Bahn erfolgte. Wie dem auch sei. Eine nette Dame, ebenfalls auf dem Popo rutschend, konnten wir gewinnen, ein Gipfelbild von uns fünf zu schießen. Ähm, sechs. Verzeihung Manni.
Meilenstein #7: Die Geschichte endet hier nicht. Der beste Teil kommt noch. Vom Gipfel arbeiteten wir uns durch den Strom der Touristen auf die Aussichtsplattform. Im Vorbeilaufen meint einer der Touristen, ob unsere Ausrüstung nicht ein wenig übertrieben wäre für die Zugspitze. Ich lächelte und erweiterte seinen Horizont, indem ich erzählte, es gäbe noch andere Wege hinauf außer den Seilbahnen. Hat er wohl verstanden. Egal. Wir wollen die Aussicht noch ein wenig genießen. Unser Grüppchen stiefelt über die ganz neu verlegten Pflastersteine, als der Mo unserer Bergfreundin sich mir zu wendet und ganz leise fragt, ob ich von dem was nun folgt, Fotos machen könne. Der Groschen fällt bei mir sofort. Ich beginne zu grinsen und versuche, meiner Frau und unserem Nachbarn zu verstehen zu geben, die beiden anderen mal kurz nicht zu umlagern. Ich schalte auf Video-Aufnahme. Die beiden stehen alleine an der Brüstung auf dem höchsten Punkt Deutschlands. Es folgt: Der Heiratsantrag. Mit ganz schlimm schönen Worten, einem Kniefall und einem Verlobungsring. Riesen große Freude. Ein paar Tränchen wollen raus. Einfach nur schön. Ich freue mich so für die beiden. Meine Frau beginnt zu klatschen. Ein paar Touristen tuen es ihr gleich, als sie merken, was gerade passiert. Wirklich ein Moment fürs Herz. Ich bin fest davon überzeugt, dass genau das Richtige passiert ist.
Unter ausgelassener Freude gönnen wir uns ein Gipfelbier und müssen uns etwas sputen, um die letzte Bahn runter noch zu erwischen. Runter laufen geht beim besten Willen nicht mehr. Der Strom ist alle. In der Bahn fallen mir die Augen zu. Es wartet ein wunderschöner Abend mit allen Teilnehmern. Jene für den nächsten Tag, mein Arbeitskollege und seine Freundin, stoßen später ebenfalls hinzu. Mit ihnen beiden steigen meine Frau und ich am nächsten Tag noch aufs Ettaler Manndl. Wir feiern alle zusammen diesen tollen Tag, die Verlobung und besprechen bereits die nächsten Touren. Die Ziele gehen nicht aus.