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Schönegg, Wurmkopf, Schönfeldspitze, 18.7.2019

Ein langer Weg über Hütten, Grate und Schneefelder.

Die erste echte Bergtour seit Anfang März. Leider musste sie noch ohne meine Lieblingsbergsteigerin stattfinden. Stattdessen durfte ich unseren ortsansässigen Freund, der inzwischen mit unserer Bergfreundin verheiratet ist (siehe meinen Bericht der letzten Zugspitztour im Oktober 2018) und der seit 34 Jahren praktisch im Steinernen Meer lebt, auf den zweithöchsten Berg eben dieses Gebietes  begleiten. Weiterhin mit von der Partie war seine besagte frisch Angetraute.

Die Tour übers Riemannhaus und über weitere zwei Gipfel, Schönegg (2390m) und Wurmkopf (2451m), gilt als lang und ausgesetzt. Glücklicherweise dürfen wir uns die ersten paar Höhenmeter über einen unglaublich langweiligen Fahrweg sparen, denn besagter Spezl ist gut bekannt mit dem Pächter des Riemannhauses. Aus dem Grund beginnt die Tour nicht am üblichen Startparkplatz, sondern an der Talstation der Materialseilbahn. Selbst mit dieser Abkürzung empfand ich die Runde als immer noch lang und anstrengend. Mit allem Auf und Ab über den Grat und dem Rückweg nach Überschreitung der Schönfeldspitze über die Buchauer Scharte auf alpinem Weg (E4/401) kamen etwa 1500Hm zusammen. Zusätzlich war der wenig begangene Weg mit einigen Altschneefeldern gespickt. Teilweise ging es da recht steil zu. 

Gegen 7Uhr morgens machten wir uns zu dritt auf den Weg, das Matterhorn des Steinernen Meeres zu erklimmen. Die markante Form des Gipfelaufbaus brachte dem Berg diesen Beinamen ein. Das erste Etappenziel war das Riemannhaus auf 2177m. Der Pfad dorthin ist zwar prinzipiell nicht schwierig, doch an der einen oder anderen Stelle ist Fehltreten nicht erlaubt. Bereits hier verlangte ein kleines Schneefeld auf etwa halber Höhe etwas Improvisationsgeist, da die obere der beiden im Ansatz erkennbaren getretenen Spuren am oberen Ende abrupt mit einer 2-Meter-Stufe endete. Da war der Schnee leider weggeschmolzen, was von unten nicht erkennbar war. Der morgens noch harte Schnee erlaubte es nicht, mit Wanderschuhen Stufen zu treten und so konnte die Stufe auf dem Schnee nicht einfach umgangen werden. Während meine beiden Begleiter_innen sich irgendwie die Stufe hinunterhangelten, wählte ich den Weg um das Schneefeld herum, wozu ich wieder ein Stück zurück- und absteigen musste. Besser war das nicht. Das Schmelzwasser des Vortages weichte den Hang auf und es war mühsehlig, wieder auf den eigentlichen Pfad zu kommen. 

Nach knapp zwei Stunden erreichten wir das Riemannhaus, wo uns ein kalter Wind um die Ohren pfiff. Das Haus liegt in der Senke zwischen Breithorn und Sommerstein. Und weil der Weiterweg keinen Windschatten bot, zogen wir erstmal wärmere Kleidung an. Dicke Wolken zogen vorbei. Die Gipfel lagen teilweise im Nebel. Klasse Bergwetter. Wenig Touristen. Der Weg zum Schönegg, dem ersten Gipfel unserer Tour und Einstieg auf den Grat, ist ausgeschildert. Wir folgen den unzähligen rot-weißen Markierungen. Verlaufen ist unmöglich. Dass es sich bei der Unternehmung nicht einfach um eine Bergwanderung handelt, ist bereits zu erkennen. Der Beinamen der Schönfeldspitze ist berechtigt. Nach dem Schönegg gehen wir, das Wetter stets beobachtend, weiter zum Wurmkopf. Dieser wird per Abstecher auf separatem Weg erklommen. Es handelt sich um Kletterei im 1-2 Grat. Gipfelfoto und Blick gen Himmel und weiter. Es scheint zu halten. Wir steigen wieder ein Stück ab, beobachten eine Gruppe, die vor uns unterwegs ist und bekommen eine Idee von der Wegführung auf den letzten Gipfel. Es wird kraxeliger. Doch nach wie vor findet man alle paar Meter Markierungen, die keinen Zweifel aufkommen lassen. Es müssen steile Schneefelder passiert werden. Dann beginnt die eigentliche Kletterei in Richtung Gipfel. Der Gipfelaufbau wird in westlicher Richtung umgangen, bevor es hinauf zieht. Eine sehr schöne Route. Wirklich lohnend. Etwas ausgesetzt ohne nennenswerte Versicherungen. Hier und da stecken alte geschlagene Haken im Fels. Wir treffen auf die einzigen beiden Menschen auf der Runde ab Riemannhaus an diesem Tag. Nach weiteren rund 3 Stunden erreichen wir den Gipfel mit dem wirklich außergewöhnlichen Gipfelkreuz. Der Königsee und der Watzmann sind von hier zu sehen. Wir sind ganz alleine. Lediglich die bereits erwähnte Gruppe vor uns, die schon fast die Buchauer Scharte erreicht hat, ist zu sehen. Und das werden bis zum Riemannhaus auch die letzten sein, die wir zu Gesicht bekommen. 

Nach einer Rast geht es an den Abstieg. Der ist recht steil und man sollte seine Sinne zusammenhalten. Bis zur Buchauer Scharte sind zwei kleine Hügel zu überklettern. Wir benötigen weitere fast 1,5 Stunden bis zur Scharte. Das Wetter verschlechtert sich. Es fallen ein paar Regentropfen. In der Scharte muss man ein wenig aufpassen, dass man den E4/401 erwischt. Es kreuzen mehrere Wege. Nun beginnt ein gefühlt langer Hatsch. Die Route von der Scharte über den Weg 401 zum Riemannhaus ist mehr als doppelt so lang, wie über den Grat und umrundet erstmal die Schönfeldspitze, die wir überschritten hatten. Er ist mit 2,5 Stunden angegeben. Es handelt sich weiterhin um alpines Gelände und keinen ausgetretenen Wanderpfad. Des Weiteren müssen wir erneut mehrere Schneefelder queren. Eines davon ist recht steil, doch der Schnee ist soweit aufgeweicht, dass Stufen getreten werden können. Es dauert lange, bis das Riemannhaus in Sicht kommt. Zwischendurch müssen wir befürchten, von einem Gewitter überrollt zu werden. Wir haben Glück. Es zieht östlich an uns vorbei. Auf Höhe des Wurmkopfes machen wir noch einmal Rast, als klar ist, dass wir nicht ins Gewitter kommen. Von Norden zieht blauer Himmel heran. Nach etwa einer weiteren Stunde dürfen wir ein kühles Bier auf der Terrasse des Riemannhauses in der Sonne genießen. Wurde auch Zeit. Die Füße sind müde. 

Der Chef ist anwesend. Es wird ein wenig geratscht. Schön, wenn Touren nicht ganz in der Anonymität verschwinden. Kommt leider selten vor. Nach etwa einer Stunde Pause machen wir uns an den Abstieg zurück zum Auto. Wie bereits im Aufstieg erwartet uns noch das lustige Schneefeld mit der hohen Kante. Ein Stück Stahlseil und die nun höheren Temperaturen erlauben es, einfach auf dem Rand nach oben zu stapfen und der oberen Spur zum anderen Ende zu folgen. Kein Problem. Es geht nicht mehr ganz so zügig hinunter, da sich Erschöpfung gepaart mit dem Bier auf der Hütte sowie in meinem Fall einer Ibu bemerkbar machen. Es vergehen nochmal etwa eineinhalb Stunden bis wir an unseren Ausgangspunkt gelangen. Punkt 19Uhr sitzen wir wieder im Auto. Damit dauerte die Runde mit allen Pausen bei uns genau 12 Stunden. Die gute Nachricht: Meine Lieblingsbergsteigerin hat Pizza vorbereitet und nach einer SMS, dass wir auf dem Rückweg sind, war die dann praktisch schon fertig, als wir an der Wohnung unserer Freunde aufschlugen. Eine richtige Bergtour zu machen, tat verdammt gut. Danke dafür.