• Milla

Zum Schluss nochmal feinster Pulver



Anfang Februar fragte ich noch, wo es wohl dieses Frühjahr mit der Skitourensaison hingeht. Nun, die Antwort kenne ich jetzt. Die geplante Tour zum Rimpfischhorn vergangenes Wochenende sagten wir ab. Mich im Ausland 2 Tage in eine bis auf den letzten Platz mit fremden Menschen aus allen Himmelsrichtungen volle Berghütte zu setzen, ist für mich irgendwie nicht das Klügste, was frau in der aktuellen Lage tun kann. Nach Malle fliegen, nur weil es niemand verbietet, ist in etwa das gleiche.

Und jetzt wo die Infektionszahlen wieder gegen die Decke schießen, was mich in keinster Weise wundert, wenn ich mir das Verhalten der Menschen um mich herum so ansehe, gehe ich davon aus, dass auch die nächste geplante Skihochtour ins Monte Rosa nicht stattfinden wird. Zumindest ist die Lockdownzeit in Deutschland bis in den Termin für diese Tour hinein gestern verlängert worden.

Der neue Plan für vergangenes Wochenende sah eigentlich vor, dass wir uns für den freien Montag nochmal mit Bergführer Jürgen verabreden, um irgendetwas Spannendes, bei dem wir neue Dinge lernen und Selbstvertrauen gewinnen können, zu unternehmen. Eine Idee war die Aggenstein-Nordwand. Oder etwas vergleichbares. Thema sollte der Einstieg ins Mixed Klettern sein. Dann kam der Schnee. Kalte Temperaturen wären ok gewesen für dieses Unterfangen, doch teilweise mehr als einen Meter Neuschnee mit einhergehender hoher Lawinengefahr eher nicht. Damit war dieses Vorhaben ebenfalls gekippt. Blöd.

Die gute Nachricht: Der viele Schnee, die kalten Temperaturen auch tagsüber und die im Wochenverlauf sinkende Lawinengefahr brachten über mehrere Tage am Frühlingsbeginn den besten Powder dieses Winters. Selbst an den kleinen Grasmuggeln in unserer nächsten Umgebung gab es so etwas wie Pulverschneeabfahrten. Beim Skitourengehen mit unseren Fähigkeiten eine Rarität. Also, Tränen abgewischt, Felle auf die Ski und das Wochenende mit einer späten Samstagnachmittagstour aufs Ammergauer Hörnle gestartet. Um den Massen zu entgehen, stiegen wir über die Rodelbahn auf bis fast zum Hinteren Hörnle, stiegen dort rauf und klapperten auf dem Rückweg die anderen beiden Gipfelchen grad auch noch ab. Die Abfahrt nach Bad Kohlgrub runter war zwar naturgemäß recht zerfahren, doch der weiche Schnee brachte trotzdem viel Spaß.

Tag zwei, der Sonntag, startete nicht so spät. Das Ziel war der Tegelberg. Bei diesen recht guten Bedingungen kann frau sich an einer Hand abzählen, was dort los sein wird. Der Wecker klingelt kurz vor sechs. Gegen 8 Uhr sind wir am Parkplatz der Tegelbergbahn und beginnen unseren Aufstieg. Das erste Mal mit Ski. Bis zur Rohrkopfhütte ist es unschwierig, ab da ist die Route durchaus anspruchsvoll. Astrid und ich folgen weiter dem Schutzengelsteig, wo wir fast alleine sind. Mag an der Notwendigkeit von Spitzkehren liegen, die manche dazu veranlasst, sich lieber die steile Piste hoch zu quälen. Bevor es den letzten Hang zum Tegelberghaus rauf geht, lassen wir es gut sein. Zu viele Menschen. Zu schlechte Sicht. Wir pausieren an einer kleinen Hütte mit Sitzgelegenheit und machen uns dann an die Abfahrt. Wie vor beschrieben, ist die obere Hälfte recht steil. Der weiche Schnee macht es uns jedoch leicht. Wir haben Spaß. Inzwischen schlängeln sich jedoch hunderte mit ihren Ski den Hang hinauf. Wahnsinn. Ab der Rohrkopfhütte wird es etwas eisiger. War aber immer noch gut. Gegen 11 Uhr am Vormittag stehen wir wieder am Auto. Ist auch gut so. Parkplatz, Aufstieg und Abfahrt sind mit Menschen übersäht.

Montags starten wir ins Oberallgäu. Das Riedberger Horn von Nord/Nordost soll es werden. Das Wetter ist recht bescheiden. Die Sicht in den höheren Lagen ist null. Es schneit immer wieder ein wenig. Meine Motivation bewegt sich auf Bodenniveau. Wir starten trotzdem am Parkplatz am Ende des Ostertalweges, gehen zunächst etwa 3km fast flach den Forstweg weiter zur Gräfenalpe bevor es dann steiler wird. Vor uns scheint nur ein einzelner Mensch mit Schneeschuhen zu laufen. Sonst ist niemand da. Das bleibt auch so bis wir die offenen Hänge zum Riedberger Horn erreichen. Der Gipfel ist vollständig im Nebel. Dass wir dort nicht hinauf gehen, ist schnell klar. In der Ferne machen wir einige wenige Menschen mit Ski aus. Eine Dreiergruppe scheint den gleichen Hang mehrmals rauf zu stapfen und abzufahren. Der Schnee ist eine Sensation. Die Sicht wird indes immer schlechter. Konturen sind in der weißen Fläche nicht mehr auszumachen. Auf etwa 1600m entscheiden wir uns dazu, es gut sein zu lassen und abzufahren. Es gibt eine Abfahrtsspur von zweien, die wir kurz vorher beobachteten. Sie dient als Orientierung, damit wir nicht in irgendwelchen unsichtbaren Senken verschwinden. Ab da beginnt der beste Teil des Wochenendes. Ein paar Höhenmeter unverspurter Pulverschneehang mit einer mehr als einen Meter dicken Auflage. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas in meiner Skitourenkarriere schonmal gehabt zu haben. Das erste Stück ist steil, doch bei so viel Schnee braucht's das auch. Läuft. Mit diesem mehr als guten Gefühl beenden wir die Skitourensaison für diesen Winter.

Auf den Termin für den Ausflug ins Monte Rosa haben wir inzwischen den Grundkurs fürs Gleitschirmfliegen gelegt. Im Allgäu. Ich hoffe, die Pandemie macht nicht auch noch diese Pläne kaputt.


Kurz zu den Bildern:

  • Das erste zeigt die Winterwonderland-Landschaft kurz bevor wir die Wiesen am Hinteren Hörnle erreichen.

  • Das zweite zeigt die letzten Meter zum Hinteren Hörnle.

  • Das dritte zeigt uns an eben diesem Gipfel.

  • Das letzte Bild zeigt Astrid, wie sie ein Bild des Riedberger Horns einfängt, als wir am Auto zurück sind. Die letzten 1,5km mussten wir zu Fuß gehen.

Damit ist die Skitourensaison für diesen Winter wohl zu ende. Ostern werden wir sicherlich mit Bergstiefeln unterwegs sein. Und dann beginnt ein neues Abenteuer: Hike&Fly.

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