• Milla

Sinnvoller Schutz oder nur nervige Verkleidung



Seit den ersten Märztagen hielten wir uns strikt an die Vorgaben zur Ausgangsbeschränkung und später an die Vorgaben der Kontaktbeschränkung. Kein unnötiger Umgang mit anderen Menschen. Selbst mit uns sehr nahe stehenden, wie z.B. unsere Eltern. Über Monate haben wir das geduldig hingenommen und uns an die Regeln gehalten. Tragen Masken und versuchen wenigstens, nicht so dicht auf andere Menschen aufzulaufen. Dann die ersten Lockerungen. Da bemerkten wir bereits, dass sich die Menschen sehr schnell wieder auf das "normale" Leben einstellen. Inklusive uns selbst. Maske tragen wird weitgehend noch akzeptiert, Abstand halten... Naja, eher nein. Die Grenzen sind noch geschlossen, die heimischen Gipfel überlaufen. Staus auf den Normalwegen lassen die Menschen zusammenrücken.

Das Schengener Abkommen tritt wieder in Kraft. Die Grenzkontrollen werden weitgehend von allen Seiten eingestellt. Der Weg ist frei, wir dürfen aus touristisch motivierten Gründen reisen.

Die Ansteckungsraten, die das RKI veröffentlicht und täglich aktualisiert (hier ist ein Link auf die Deutschlandkarte), steigen wieder. Angeblich ist jedoch alles noch im Rahmen, bis auf ein paar Ausreißer, wie z.B. bei Tönnies passiert. Für die meisten unter uns ist das allerdings weit weg. Auch für uns. Die Berghütten öffnen. Manche taten dies bereits sehr früh. Sie unterliegen einem Regelwerk zur Belegung, zu Abstandsregeln, zur Maskenpflicht. Jedenfalls am Anfang. Auf unserer ersten Bergtour mit Hüttenübernachtung am Hohen Dachstein stellen wir fest, dass einige Regeln umgesetzt werden, andere, wie z.B. das Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung eher locker gehandhabt werden. Damals ist nix passiert und die Pflicht zum Tragen einer Maske war in Österreich zu diesem Zeitpunkt bereits aufgehoben. Also haben wir uns nichts dabei gedacht. Es ist auch niemand krank geworden. Alles gut soweit.

In Deutschland werden Stimmen laut, die die Maskenpflicht abschaffen wollen. Die Diskussion schafft es bis ganz nach oben, wird jedoch zu Gunsten der Pflicht zum Tragen einer Maske entschieden. Zum Glück. In anderen Ländern, z.B. Italien, entscheidet man sich anders, obwohl alles dafür spricht, dass es neben dem Gebot, Abstand von einander zu halten, das einzige wirksame Mittel ist, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen. Wenn es ALLE tun. Und es ist unglaublich leicht umzusetzen. Wir tragen also weiter einen Mund-Nasen-Schutz. Vernünftig. Die Ferien beginnen. Die Menschen kommen auf die Idee, in Urlaub zu fahren. Eine Woche nach dem ersten Ferienbeginn führt Oberösterreich die Maskenpflicht wieder ein. Warum wohl?

Wir starten zur nächsten Bergtour. Es geht auf den Similaun über den Marzellkamm. Es geht samstags von Vent aus los, nachmittags erreichen wir die Martin-Busch-Hütte. Auf den Hinweisschildern zu den Verhaltensregeln im Umgang mit COVID-19 ist die Maskenpflicht durchgestrichen. Wir lernen später, dass zwei Frauen auf dem E5 - Oberstdorf-Meran unwissentlich eine Schneise der Ansteckungen verursachten und zwei Tage vorher hier vorbei kamen. Davon wissen wir aber noch nichts, stellen uns morgens in die Frühstücksschlange, steigen über den Marzellkamm auf den Gipfel und landen am Nachmittag an der in Italien liegenden Similaunhütte. Auch hier trägt außer dem Personal niemand eine Maske. Auch wir nicht. Der Link auf die ganze Geschichte ist hier eingefügt, deswegen gehe ich nicht weiter darauf ein. Wenige Tage nach dem wir zu Hause sind, geht der Zirkus los und lernen, was passiert, wenn jemand positiv auf den Virus getestet wird. Zumindest in Bayern ist es so, dass harte Regeln seitens des Gesundheitsamtes durchgesetzt werden. In anderen Bundesländern ist das bei Weitem nicht so. Wir wundern uns über die lockere Handhabung, z.B. auch in Österreich, wo selbst die Corona-Hotline mehr oder weniger ratlos erscheint und die Menschen weiter arbeiten gehen lässt, solange keine Symptome da sind. Getestet wird dort und in anderen deutschen Bundesländern auch nicht. Selbst nach dem Kontakt mit nachweislich positiv getesteten Menschen. Am Ende des Tages sind nach dieser Bergtour Stand jetzt 5 Menschen positiv getestet worden. Glücklicherweise gab es bis jetzt nur vergleichsweise leichte Symptome. Die Botschaft dieses Artikels ist, tragt Masken, wenn ihr Kontakt mit anderen Menschen, insbesondere fremden Menschen, habt und haltet so gut es geht Abstand. Der Virus weiß nichts von gesetzlichen Vorgaben und er nimmt keine Rücksicht auf Unachtsamkeit. Ein wirksamer und dauerhafter Impfschutz ist nicht in Sicht und mindestens so lange sind Maske, Hygiene und Abstand unser einziger Schutz. Selbst wenn ein milder Verlauf vorliegt -ein Glück für alle, die das so haben können- möchte darüber hinaus wahrscheinlich niemand von Amtswegen seiner Freiheitsrechte beraubt werden, so wie es uns passiert ist. Ein kleines Stück Stoff hätte das Krank werden und die gefühlte Haft verhindern können. Das ist keine Anklage und ich will keine Schuldzuweisungen loswerden. Schließlich sind wir selbst genauso nachlässig geworden. Ich möchte alle, die das lesen, dafür sensibilisieren, dass das Problem nicht vom Tisch ist. Besonders dort nicht, wo Abstand und Hygiene nur sehr eingeschränkt möglich sind. Berghütten, Seilbahnen, Auf- und Abstiegswege, öffentliche Sanitärräume, um es mal auf die Berge zu beschränken. Denkt mal drüber nach.

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