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  • AutorenbildMilla

Ein halbes Jahr voller Abenteuer

Aufgehört habe ich im Juli nachdem wir von der Watzespitze am Kaunergrat zurückgekommen waren. Ich berichtete von zwei weiteren 4000ern, die auf unserem Plan standen bzw. -ja tatsächlich- immer noch stehen. Das Zinalrothorn im Wallis und der Barre des Écrins in der Dauphiné. Mit den neuen Erfahrungen und sehr viel Selbstvertrauen im Gepäck nach der Tour mit Bergführern auf den Piz Bernina über den Biancograt fühlten wir uns perfekt gerüstet, unseren nächsten, noch gänzlich unbekannten 4000er, das Zinalrothorn zu versuchen. Dieser Berg ist bereits seit Jahren auf unserer Wunschliste und von den Schwierigkeiten her inzwischen für uns allein machbar. Dachten wir.


Mit der Technik allein ist es bloß nicht erledigt. Es ging schon damit los, dass ich mir auf dem 1600-Höhenmeter-Hüttenzustieg ab Zermatt bis zur noch alten Rothornhütte in meinen D-Schuhen an beiden Füßen Blasen gelaufen hatte. Heute weiß ich, dass es gar nicht nötig ist, mit so festen Stiefeln dort unterwegs zu sein. Dann war die Hütte so dermaßen übervoll, dass ich mich von der ersten Minute an dort enorm unwohl fühlte und selbstredend abzusehen war, dass 95% der Gäste am nächsten Tag den gleichen Weg haben werden, der für so viele Menschen gerade im letzten Teil eigentlich keinen Platz bietet. Wir gehen am nächsten Morgen als eine der letzten Seilschaften los, stehen bereits am Wasserloch im Stau, die Zeit rennt, und dann gibt's bis zum Einstieg in die Kletterei in Gipfelnähe noch einen Verhauer, der uns endgültig ans Ende der Kette katapultiert. Und als wir endlich an den spannenden Teil der Tour kommen, das ist dort, wo ich hier im Bild zu sehen bin, die Geschichte ist über das Bild verlinkt, hängt uns aus mehreren Gründen die Hose einfach zu weit unten. Der Bauch rebelliert bei uns beiden als wir in die Felsflanke schauen, wo sich die ganze Hütte im Auf- oder schon im Abstieg befindet, die Perspektive lässt zudem alles viel steiler erscheinen als es wahrscheinlich ist. Wir geben klein bei, drehen um, gehen zur Hütte zurück, wo wir noch was kleines Essen und dann den ewig langen Abstieg nach Zermatt starten. Wir versuchen zu reflektieren, woran genau es gescheitert ist, in die Kletterei einzusteigen, doch die Antwort ist nicht einfach zu finden. Der Berg steht dieses Jahr im Herbst erneut im Kalender, denn Dani, die Hüttenwirtin, mit der wir ganz nett plauderten, meinte, dass im Herbst kurz vor Hüttenschluss unter der Woche normalerweise eher wenig los ist. Außerdem ist bis dahin die neue Rothornhütte am Start auf die ich mich freue.


Etwas überraschend und kurzfristig kommt in der ersten Augustwoche ein Fenster für eine Hochtour vorbei, dass wir dazu nutzen wollen, den dann dritten Versuch am Barre des Écrins zu starten. Allerdings haben wir nur 3 Tage Zeit, An- und Abfahrt sind jeweils gut 800km und das Wetterfenster für eine Besteigung ist an genau einem Tag einigermaßen so, dass wir entscheiden, es zu versuchen, obwohl schon klar ist, dass die Bedingungen schwierig sein werden.


Bereits beim Hüttenzustieg werden wir zweimal gewaschen, doch für den Vormittag des Folgetags soll's immer noch akzeptabel sein. Beim Betreten des Glacier Blanc ist unschwer zu erkennen, welche Spuren die Klimaerwärmung hier inzwischen hinterlassen hat, denn wir haben den Vergleich aus 2014 und 2018, wo jeweils deutlich mehr Schnee vorhanden war und zwar soviel, dass ich mich an kein Spaltenhopping erinnern kann, wie es jetzt notwendig ist. Einen kleinen Lichtblick bei dieser Tour verschaffte uns die Erkenntnis, dass eine junge Frau das Kommando im Réfuge des Écrins übernommen hat und hier ein anderer Wind weht, wie noch vor 5 Jahren als die Übernachtung und das Essen mit Abstand das Schlimmste war, was ich bis heute in Hütten erlebte. Das ist jetzt nicht mehr so und auch die Hütte wurde ein klein wenig modernisiert. Es gibt jetzt sogar zwei Toiletten. Und nun wird auch nicht mehr bis um 6 Uhr geschlafen, wenn Frau bergsteigen möchte.

Mit der Erfahrung aus den letzten beiden Versuchen, starten wir das erste Mal in unserer Bergsteigerinnenkarriere in der Nacht als erste Seilschaft, kämpfen uns durch Wind, Regen und Graupel über den Gletscher und den steilen Nordhang hinauf, bleiben sogar sehr lange an erster Stelle, doch als wir am Einstieg in den Gipfelgrat stehen, weht uns bei Null Sicht ein 70km/h Wind entgegen. An dem Tag geht niemand auf den Gipfel. Die meisten lassen sogar den Nebengipfel Dôme de Neige aus. Obwohl wir uns geschworen hatten, dass das der letzte Versuch an diesem Berg ist, der uns anscheinend nicht will, haben wir mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck einen vierten Versuch Anfang Juli eingeplant. Schau mer mal.


Das Wetter hat im Verlauf des Jahres bis dahin dafür gesorgt, dass wir kaum fliegen gewesen sind. Ein kleiner Flug im Juli, mehr ging sich nicht aus. Nach unserem etwas ernüchternden Ausflug nach Südfrankreich an den Barre, ging es nahtlos in eine Urlaubswoche mit meinen Kindern in den Vogesen über. Diesen Ort wählten wir natürlich nicht zufällig, denn wir erfuhren, dass man dort ganz fein fliegen kann und weil meine Mädels inzwischen dazu übergegangen sind, bis nach Mittag im Bett zu liegen, nahmen Astrid und ich uns die Freiheit heraus, wenn möglich an den Vormittagen am Drumont und am Treh jeweils einen Hike&Fly einzuschieben, was auch zweimal gelang. Damit sind wir das erste Mal in Frankreich geflogen. :o)


Und Anfang September folgte dann unser erster Flug in Südtirol, denn wir nahmen am berühmten NOVA Hike&Fly Testival teil, dass kurzfristig nach Brixen an die Plose verlegt wurde. Ein paar sensationelle Tage mit ausnehmend lieben Teilnehmenden und einer ganz tollen Organisation inklusive Unterstützung durch Piloten des ortsansässigen Vereins.


Astrid und ich unternahmen unseren ersten großen Talsprung wobei wir unmittelbar am Gipfel der Königsangerspitze starteten und dann über die Brennerautobahn, über den Eissack und die Stadt Brixen zurück zum Landeplatz unterhalb der Plose flogen. 10km geradeaus mit teilweise mehr als 1,6km Luft unterm Popo und mit ganz viel Herzklopfen, ob unsere A-Schirmchen mit ihrer eher bescheidenen Gleitzahl überhaupt die Strecke schaffen und wir noch so hoch ankommen, dass wir eine Chance haben, auf dem regulären Landeplatz landen zu können. Die ganze Geschichte gibt's hier, inklusive dem Ausflug am Letzten Tag zum Elfer in Neustift im Stubaital.


Es sieht so aus, als hätten wir unseren lieben Freund und Nachbarn Marcel nun auch mit Bergsteigen angefixt. Seit wir vom Weissmies heruntergekommen sind, hing die Frage im Raum: "Was machen wir als nächstes?". Nun, es wäre sehr fein, zum Abschluss der Hochtourensaison etwas unternehmen zu können, wo alle mit können, die Risiken klein sind und einfach das Erlebnis an sich im Vordergrund stehen kann. Die Wahl viel Mitte September auf die Hochvernagtspitze im Ötztal.


Leider konnte sich unser anderer lieber Freund und Nachbar Thomas nicht freischaufeln und so zogen wir zu dritt hinan, die berühmte Hochvernagtspitze zu besteigen. Wie so oft in 2023 spuckte uns das Wetter rein, denn wegen einer vollen Hütte am letzten Hüttenwochenende waren wir gezwungen, die Tour einen Tag von Sonntag auf Montag zu schieben, wo sich gleichzeitig die nächste Front ankündigte. Blöd. Wir sind trotzdem losgegangen, denn das Fenster sollte unserer Meinung nach ausreichen. Es ist eine Tour mit moderaten knapp 800 Höhenmetern von der Hütte aus und sollte an einem Vormittag zu machen sein und ob wir dann auf dem Abstieg von der Hütte nass werden, war uns wurscht, solange keine Blitze zum Boden durchschlagen. Der Plan ging leider nicht ganz auf, also bis auf's nass werden, doch es war trotzdem sehr lustig, wir hatten eine superschöne Zeit draußen am Berg mit neuen Eindrücken und persönlichen Erfahrungen und weglaufen tut die Hochvernagtspitze auch nicht. Das Bild ist verlinkt.


Zurück zum Fliegen. Astrid und ich saßen Ende September zusammen, um unsere Jahresplanung 2024 dingfest zu machen. Das ist notwendig, weil es einige Kriterien gibt, wie Arbeit, Kinderwochenenden, Ferienzeiten, Bergziele mit gewissen Anforderungen, an denen belastbare Termine stehen müssen, um Konflikte zu vermeiden. Als wir damit fertig waren viel uns auf, dass wir keine einzige Minute Fliegen im Plan hatten. Ein unhaltbarer Zustand. Die Frage, ob und wann wir mal ein erstes Sicherheitstraining machen wollen, kam auf und wir recherchierten, was für uns 2024 passen würde. Ähm, nix.

Wir fanden einen letzten Termin der Flugschule Achensee Ende Oktober 23 am Idrosee, der uns passte, weil wir da eh ein paar Tage frei hatten und zögerten gar nicht lange, sondern buchten. Anschließend fanden wir heraus, dass es total clever wäre, wenn wir vorher schon die B-Schein-Theorie in der Tasche hätten und so kam es, dass wir Anfang Oktober online die Pflichtstunden Theorie und unmittelbar anschließend die Prüfung absolvierten. Damit ist der Startschuss für den unbeschränkten Luftfahrerschein also auch gefallen.


Und dann kam das Sicherheitstraining. Die Wetterprognose war so schlecht für die 5 Tage, dass ich davon ausging, es wird abgesagt werden. Da hab' ich mich geirrt. Wir sind zum Idrosee gefahren und ja, das Wetter war richtig beschissen, doch wir hatten eine sensationelle Zeit mit Eki und Cordula, von der ich keine Sekunde missen möchte. Wundervolle Menschen, kein schneller, höher, weiter, sondern Freude am Leben und am Fliegen. Am Ende konnten Astrid und ich "nur" 3 Flüge machen, doch da steckte soviel drin, dass ich kein kleines Bisschen traurig heimgefahren bin. Eki hat das Wetter auch nicht gefallen, doch er hatte seine Gründe, warum es trotzdem stattfand und er hat 5 Tage lang Vollgas gegeben, uns so viel wie möglich übers Fliegen und alles, was da noch dran hängt, mit auf den Weg zu geben. Unglaublich. Die Geschichte und ein paar Bilder und Videos von unseren B-Stalls, Steilspiralen und Strömungsabrissen gibt's hier. Es gibt noch etwas, was ich aus diesem Sicherheitstraining mit genommen habe: Ich begann, Handpan zu spielen. Danke Eki.


Der restliche November war von Sturm und Regen geprägt, was auch auf den größten Teil des Dezember zutraf. Bei uns zu Hause ging nichts mit fliegen, wenn wir Zeit hatten. An einem Wochenende besuchten wir Alex und Manuel in Saalfelden und hatten dort

Gelegenheit, den ersten Flug mit Start und Landung auf Ski zu machen.



Bisschen wackelig aber ansonsten der Kracher und leider auch das Letzte, was sich in 2023 ausging.

Aber nun haben wir ein neues Jahr mit neuen Möglichkeiten. Einige Touren und Berge sind eingeplant, Thermikfliegen ist dieses Jahr ein Thema, um mit dem B-Schein weiter zu kommen und ein paar Flüge mit der Flugschule Achensee dürfen wir ebenfalls noch nachholen. Und alles andere wird sich finden, wenn es soweit ist.

Bis dahin habt's gut und viel Spaß beim Lesen und Stöbern.

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